Seit Beginn dieses Jahres ist die Aktivrente in Deutschland in Kraft. Der Start verlief jedoch vielerorts holprig: In zahlreichen Unternehmen konnte der steuerliche Freibetrag zunächst nicht umgesetzt werden. Payroll-Lösungen, die Rentnerfreibeträge automatisch berücksichtigen, können hier entscheidend unterstützen und Prozesse schnell stabilisieren. Der folgende Beitrag zeigt Chancen, Herausforderungen und Mehrwerte durch die Aktivrente auf und gibt praktische Tipps, wie Mittelständler die Rente optimal nutzen können.
Was steckt hinter der Aktivrente?
Mit der Aktivrente können Beschäftigte über der Regelaltersgrenze künftig bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Zugleich gewinnen Unternehmen an Flexibilität, da sie mit älteren Mitarbeitenden befristete Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund vereinbaren dürfen. Ziel ist es, angesichts der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge erfahrene Fachkräfte länger im Arbeitsleben zu halten. Für Arbeitnehmende, die die Aktivrente in Anspruch nehmen, kann dies einen zusätzlichen finanziellen Spielraum schaffen und ihre berufliche Erfahrung stärker berücksichtigen. Arbeitgeber sichern im Idealfall wiederum wertvolles Know-how und federn den Fachkräftemangel etwas ab. Gerade für mittelständische Unternehmen, die häufig stärker vom Verlust erfahrener Fachkräfte betroffen sind und weniger personelle Reserven haben, kann die Aktivrente damit ein strategisches Instrument zur Fachkräftesicherung werden.
Einige Teile der arbeitenden Bevölkerung sind von der Regelung allerdings ausgeschlossen: Dazu zählen Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Minijobbende.
„Steuerfrei“ – aber nicht ohne Abzüge
Zur weiteren definitorischen Abgrenzung: Die Befreiung gilt nur für aktive Arbeitseinkünfte, nicht für die Rente selbst oder Kapitalerträge. Der Begriff „steuerfrei“ ist zudem nur bedingt zutreffend. Zwar entfällt die Einkommensteuer, Sozialabgaben bleiben jedoch bestehen. Bei 2.000 Euro brutto fallen beispielsweise rund 207 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung an – netto bleiben etwa 1.793 Euro.
Die Aktivrente soll zur Schließung der demografischen Lücke beitragen – allerdings sind aktuell noch einige rechtliche Fragen offen, beispielsweise die Gleichbehandlung von Selbstständigen. Aus diesem Grund sind bereits erste Klagen, beispielsweise seitens des Steuerzahlerbundes, angekündigt.
Demografischer Druck erhöht den Handlungsbedarf
Befürworter des Gesetzes heben hervor, dass Deutschland vor einer demografischen Herausforderung steht: Viele erfahrene Fachkräfte gehen gleichzeitig in Rente – und könnten damit insbesondere die vielen mittelständischen Unternehmen vor Probleme stellen. Die Aktivrente bietet hier einen Ansatz, um Kompetenzen länger im Unternehmen zu halten, Motivation zu stärken und generationsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Auch aktuelle Ergebnisse der ADP-Studie People At Work belegen, dass diverse Teams unterschiedliche Motivationsfaktoren bündeln. Zudem ist davon auszugehen, dass ältere Mitarbeitende die Aktivrente auch aufgrund von täglicher Freude an der Arbeit in Anspruch nehmen: Ein Motivationsfaktor, den laut Studie 45 Prozent der älteren Arbeitnehmenden als Top-Priorität angeben – gegenüber nur 26 Prozent bei den jüngeren Beschäftigten.
Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass etwa 168.000 Menschen den Steuervorteil in Anspruch nehmen könnten – das ist etwa ein Viertel der Anspruchsberechtigten. Belastbare Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme liegen noch nicht vor, auch nicht für einzelne Branchen oder differenziert nach Unternehmensgrößen wie KMU.
Bilanz zum Jahresauftakt: Steuervorteil bleibt zunächst aus
Denn erst zum Jahresbeginn ging die Aktivrente an den Start. Der Arbeitslohn zahlreicher „Aktivrentner“ wurde im Januar allerdings noch normal und ohne besagte Vorteile besteuert.
Der Grund: Da die steuerliche Regelung spät im Jahr 2025 verabschiedet wurde, blieb kaum Zeit für die praktische Umsetzung. Zentrale Auslegungsfragen klärte die Finanzverwaltung im Februar. Erst danach konnten Softwareanbieter ihre Programme final anpassen, testen und freigeben. Eine flächendeckende Umsetzung zum ersten Januar war daher nicht realistisch.
Doch das zu viel einbehaltene Geld ist natürlich nicht verloren. Software-Anbieter und Payroll-Dienstleister haben bereits reagiert: So führen die meisten Abrechnungssysteme nach Einspielung der erforderlichen Software-Updates eine rückwirkende Neuberechnung durch. Der entsprechende Monat wird dabei korrigiert, und einbehaltene Steuerbeträge werden mit einer der nächsten Gehaltsabrechnungen zurückgezahlt.
Warum die Aktivrente gerade für KMU relevant ist
Laut dem Bundesverband Der Mittelstand (DMB) kann die neue Regelung insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen helfen, erfahrene Fachkräfte länger zu halten oder gezielt zurückzugewinnen. Gleichzeitig erhöhen neue steuerliche Vorgaben und flexible Vertragsmodelle natürlich den administrativen Aufwand.
Die folgenden Tipps für KMU können dabei unterstützen, die Komplexität in HR und Payroll so gering wie möglich zu halten:
- Frühzeitig Transparenz schaffen: Mitarbeitende rechtzeitig über Möglichkeiten und Grenzen der Aktivrente informieren und individuelle Beratung anbieten.
- Prozesse standardisieren: Klare interne Abläufe für Vertragsverlängerungen, Befristungen und Payroll definieren, um Einzelfalllösungen zu vermeiden.
- HR und Payroll enger verzahnen: Abstimmung zwischen Personalabteilung, Steuerberatung und Entgeltabrechnung sicherstellen.
- Automatisierung nutzen: Digitale und intelligente Payroll-Systeme einsetzen, die Rentnerfreibeträge automatisch berücksichtigen und gesetzliche Änderungen schnell integrieren. Lösungen wie die von ADP können hier helfen, Fehlerquellen zu reduzieren und Compliance sicherzustellen.
Über ADP (NASDAQ: ADP)
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