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DefTech-Startups warnen: Deutschland kaum abwehrbereit

Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz: Appell für neue und schnellere Vergabe- und Beschaffungswege

  • 87 Prozent halten Deutschlands Verteidigungsfähigkeit weiter für gering
  • Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz: Appell für neue und schnellere Vergabe- und Beschaffungswege
  • Drei Viertel würden erneut in Deutschland oder der EU gründen – USA verlieren deutlich an Attraktivität

Russlands Krieg gegen die Ukraine, Spannungen zwischen der EU und den USA und hybride Angriffe auf unsere Infrastrukturen, Verwaltungen und Unternehmen: Trotz der massiv veränderten Weltlage ist Deutschland weiterhin kaum in der Lage, sich zu verteidigen. Davor haben im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz deutsche DefTech-Startups gewarnt. 9 von 10 stufen die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands als gering (76 Prozent) oder sehr gering (11 Prozent) ein. Im Vorjahr hatten noch 71 Prozent die Verteidigungsfähigkeit als gering und 25 Prozent sogar als sehr gering bezeichnet. Grundlage ist eine Befragung von 37 Gründerinnen und Gründern von DefTech- und Dual-Use-Startups durch Get Started, der Startup-Initiative des Digitalverbands Bitkom. „Verteidigungsfähigkeit und Resilienz werden inzwischen gesellschaftlich breit debattiert und es bewegt sich etwas, aber die Dringlichkeit ist zu oft noch nicht spürbar. Wir können nicht Jahre auf Veränderungen warten, wir brauchen schnell einsatzfähige Lösungen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Zur Verteidigungsfähigkeit gehören heute auch Daten, KI und vernetzte Systeme. Software Defined Defense muss das Leitmotiv deutscher Verteidigungspolitik sein.“ 

Der größte Hemmschuh bleibt nach Ansicht der Startups der langwierige Beschaffungsprozess. 90 Prozent fordern deshalb beschleunigte Vergabe- und Beschaffungsverfahren wie durch Fast Tracks. 87 Prozent sprechen sich zudem für mehr Mittel aus dem Verteidigungshaushalt zur Beschaffung innovativer Lösungen aus. 76 Prozent wünschen sich eine frühe Kooperation von Bundeswehr und Startups, etwa in Form von Challenge-Formaten. Und 84 Prozent halten es für wichtig, dass die Politik die Kooperation von DefTech-Startups und etablierten Unternehmen stärker fördert. „Startups entwickeln permanent Innovationen in sehr kurzen Zyklen. Das müssen wir nutzen und Erprobung und Beschaffung so aufstellen, dass neue Lösungen unverzüglich in der Praxis ankommen können“, so Wintergerst. 

USA verlieren deutlich an Attraktivität, Deutschland legt zu

Trotz aller Kritik wächst unter den Startups das Vertrauen in den Standort Deutschland. Rund jedes zweite DefTech-Startup (49 Prozent) würde bei einer erneuten Gründung Deutschland wählen, das ist ein Plus von 10 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. 24 Prozent würden in einem anderen EU-Land gründen (2025: 16 Prozent). Die Attraktivität der USA geht dagegen deutlich zurück: Nur noch 8 Prozent würden dort gründen, vor einem Jahr waren es mit 25 Prozent noch drei Mal so viele. 

Und an noch einer Stelle wird eine Verbesserung wahrgenommen: Mit ihrem Engagement als Gründerin oder Gründer im Verteidigungsbereich fühlen sich mit 65 Prozent inzwischen zwei Drittel hierzulande wertgeschätzt. Vor einem Jahr war es mit 41 Prozent nicht einmal jedes zweite. 

Die vollständigen Ergebnisse der Befragung stehen online bereit unter: www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/DefTech-Report-2026