Der Mangel an beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten verunsichert Beschäftigte weltweit – viele suchen deshalb nach neuen Arbeitgebern, um ihre Karriere voranzutreiben.
- Weltweit nennt rund jede*r Fünfte (19 Prozent) fehlende Aufstiegschancen als wichtigstes Hindernis für die berufliche Weiterentwicklung.
- Arbeitnehmende in Deutschland geben an, dass ihnen vor allem Zeit und Chancen fehlen, um in ihrer Karriere voranzukommen.
- Etwas mehr als ein Drittel (34 Prozent) derjenigen, die in ihrem derzeitigen Unternehmen keine Perspektiven sehen, sind aktiv auf Jobsuche oder führen bereits Vorstellungsgespräche.
Fehlende Karrieremöglichkeiten sind weltweit das am häufigsten genannte Hindernis für beruflichen Aufstieg. Das zeigt die sechste Ausgabe der ADP-Studienreihe „People at Work 2025“.
Die Analyse basiert auf einer Befragung von fast 38.000 Arbeitnehmenden in 34 Ländern, darunter mehr als 1.100 in Deutschland. Laut Studie geben 19 Prozent an, begrenzte Entwicklungschancen hinderten sie daran, in ihrer Karriere voranzukommen. Auf den weiteren Plätzen folgen mangelnde Motivation (13 Prozent) und fehlende Zeit (12 Prozent). Weniger häufig nannten die Befragten Angst (5 Prozent) oder fehlende Ausbildung (5 Prozent) – ein Hinweis darauf, dass fehlende Sichtbarkeit und Motivation oft schwerer wiegen als reine Kompetenzlücken.In Deutschland liegen mangelnde Zeit und fehlende Aufstiegschancen gleich auf als größtes Hindernis für die Karriereentwicklung.
Jeweils 17 Prozent der Befragten geben diese Gründe an. Im Vereinten Königreich ist dies anders: Dort gibt fast ein Fünftel der Befragten (19 Prozent) an, zufrieden mit dem aktuellen Arbeitgeber zu sein. In Deutschland hingegen liegt die Jobzufriedenheit bei lediglich 15 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass Arbeitgeber stark nachbessern müssen, um ihre Arbeitskräfte langfristig halten zu können. Fehlende Erfahrung (5 Prozent), Fähigkeiten (4 Prozent) oder Bildung (6 Prozent) sehen deutsche Befragte kaum als Hindernis auf ihrem Karriereweg.
Holm Braun, Senior Director HR in Deutschland, erklärt: „Die heutige Belegschaft weiß genau, was Wachstum bedeutet – sei es der Schritt in eine Führungsrolle, neue Verantwortungsbereiche oder gezielte Weiterbildung. Wenn der Weg nach vorn jedoch unklar bleibt, weil Chancen fehlen oder nicht genügend Zeit für Weiterentwicklung zur Verfügung steht, verlieren selbst engagierte Mitarbeitende an Motivation. Wir haben gelernt, dass Flexibilität wichtig ist, um Mitarbeitende zu halten, ebenso wie das Gefühl, Teil eines Teams zu sein. Die Studie zeigt auch, dass Karrierechancen der zweitwichtigste Grund sind, warum Mitarbeitende sich dafür entscheiden, bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber zu bleiben. Arbeitgeber müssen Karriereambitionen deshalb deutlich aufzeigen und in konkrete Entwicklungsmöglichkeiten übersetzen.“
Unterschiede nach Generation und Position
Die Wahrnehmung von Karrierehürden variiert nach Altersgruppe. Mehr als 20 Prozent der Beschäftigten über 40 nennen fehlende Aufstiegschancen als größtes Hindernis – bei Arbeitnehmenden bis 26 sind es lediglich 14 Prozent.
Auch nach Hierarchieebene zeigen sich Unterschiede: Rund 16 Prozent der Führungskräfte und Top-Manager sehen mangelnde Chancen als Hürde beim Erreichen ihres Karriereziels, bei mittleren und operativen Führungskräften steigt der Anteil auf 18 Prozent, bei Mitarbeitenden ohne Führungsverantwortung sogar auf 20 Prozent.
Unter Beschäftigten, die sich als ethnische Minderheit in ihrem Land identifizieren, nennen 16 Prozent fehlende Möglichkeiten als Haupthindernis – etwas weniger als die 20 Prozent der Nicht-Minderheiten, die dies ebenfalls angeben.
Stillstand führt zur Kündigung
Karrierestagnation ist ein starker Auslöser für Jobwechsel. Unter denjenigen, die in ihrem aktuellen Job kaum Entwicklungschancen sehen, sind mehr als ein Drittel (34 Prozent) aktiv auf der Suche nach einer neuen Stelle oder führen Bewerbungsgespräche.
Zudem zeigen die Daten: Wer der Meinung ist, den Arbeitgeber wechseln zu müssen, um beruflich voranzukommen, schätzt sich selbst 2,6-mal seltener als „hochproduktiv“ ein. Weltweit glauben 15 Prozent der Beschäftigten, dass ein Arbeitgeberwechsel für ihre Karriere notwendig ist – in Deutschland liegt dieser Anteil bei 13 Prozent.
- Was Mitarbeitende an Unternehmen bindet
- Unter denjenigen, die eine Zukunft bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber sehen, sind die wichtigsten Gründe:
- Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten (45 Prozent)
- Weiterbildung und berufliche Entwicklung (36 Prozent)
- Flexible Arbeitszeiten (34 Prozent)
Den Deutschen ist zudem eine gute Absicherung in der Rente wichtig. 19 Prozent geben dies als Grund an, um bei ihrem jetzigen Arbeitgeber zu bleiben. Ein Viertel der Befragten sieht außerdem Performance-basierte Entlohnung in Form von Boni als wichtigen Verweilgrund. Hier können Arbeitgeber ansetzen.
„Der Mangel an klaren Karriereperspektiven führt nicht nur zu sinkendem Engagement, sondern auch zu Produktivitätsverlusten, weniger Innovation und höherer Fluktuation“, sagt Nela Richardson, Chefökonomin bei ADP. „Organisationen, die transparente und faire Karrierewege schaffen, behalten nicht nur Talente – sie erschließen auch das volle Potenzial ihrer Mitarbeitenden.“
Der vollständige Bericht „People at Work” steht hier zum kostenlosen Download bereit. Weitere Einblicke und Analysen zur Arbeitswelt finden sich unter www.adpresearch.com.