Studierende schließen ihr Bachelorstudium früher ab, wenn sie regelmäßig Rückmeldungen zum eigenen Studienfortschritt im Vergleich zu ihren Mitstudierenden erhalten. Dies zeigt eine neue Studie des ifo Instituts, der Universität Erfurt und der Technischen Hochschule Nürnberg. „Relatives Leistungsfeedback über den eigenen Studienfortschritt im Verhältnis zu den Mitstudierenden bewirkt, dass etwa ein Siebtel der Studierenden das Studium ein Semester früher abschließt“, sagt ifo-Bildungsforscher Raphael Brade. Der Studie zufolge verschlechtern sich durch den schnelleren Abschluss nicht die Noten. Auch das subjektive Wohlbefinden der Studierenden leidet darunter nicht.
„Richtig eingesetzt ist relatives Leistungsfeedback ein wirksames Instrument zur Verbesserung des Studienerfolgs, und dies bei geringen Kosten von etwa 14 Euro pro Person über die gesamte Studiendauer“, sagt Koautor Robert Jäckle von der Technischen Hochschule Nürnberg. Zum Vergleich: Studien aus den USA zeigen beispielsweise, dass rund 2.000 Dollar an Studienbeihilfen eine ähnliche Verkürzung des Studiums bewirken.
Das relative Feedback entfaltet seine Wirkung nicht gleichmäßig. Studierende, die wahrscheinlich keinen Abschluss machen, oder die ihn sehr wahrscheinlich schaffen, profitieren am wenigsten. Die stärksten Effekte zeigen sich bei Studierenden, die eine mittelgroße Abschlusswahrscheinlichkeit haben. Sie machen deutlich schneller ihren Studienabschluss, wenn sie die Information bekommen, über dem Durchschnitt zu liegen. Ein Hinweis auf eine nicht überdurchschnittliche Position kann mit geringerem Studienerfolg verbunden sein. Für die Hochschulpolitik bedeutet das, dass relatives Feedback gezielt eingesetzt und durch Beratungs- und Unterstützungsangebote ergänzt werden sollte.
Die Studie basiert auf zwei Feldexperimenten mit 1.609 Bachelorstudierenden aus fünf betriebswirtschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen an einer deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften. Die Studierenden wurden bis zu 13 Semester begleitet, sodass weitgehend vollständige Studienverläufe vorliegen. Ab dem zweiten Semester erhielten Studierende in der Kontrollgruppe Informationen zu den eigenen Studienleistungen, während Studierende in der Treatmentgruppe zusätzlich einen Vergleich zwischen ihrem eigenen Studienfortschritt und dem ihrer Kommiliton*innen erhielten.