29 % der europäischen Unternehmen nennen die KI-Regulierung ihre größte Compliance-Sorge, der höchste Wert aller Regionen
Kiteworks hat seinen 2026 Data Security and Compliance Risk: Annual Survey Report veröffentlicht. Die Analyse wurde zum fünften Mal in Folge durchgeführt und basiert auf einer Befragung von 459 Sicherheits-, Compliance-, Risiko- und IT-Fachleuten in zehn Branchen und drei globalen Regionen. Für die europäische Auswertung wurden 258 Unternehmen befragt. Die Ergebnisse zeigen ein klares regionales Ungleichgewicht. Europa führt bei der allgemeinen Sicherheitsinfrastruktur, liegt jedoch bei der KI-Governance hinter den Regionen Nordamerika und Naher Osten zurück.
Ausgereifte Datensicherheit, doch was ist mit KI-Governance?
Der Data Security Maturity Score (DSMS) erfasst die Kontrollen zum Schutz des menschengesteuerten Datenzugriffs ebenso wie KI-spezifische Schutzmaßnahmen auf Basis von 11 binären Sicherheitskontrollen. Der DSMS liegt in Europa im Mittel bei 40 von 100. Das ist der höchste Wert der drei erfassten Regionen, vor Nordamerika (38) und dem Nahen Osten (37). Das globale Umfragemittel liegt bei 39. Der AI Governance Maturity Score (AIGMS) misst die Governance-Fähigkeit von KI-Systemen und -Agenten und besteht aus 19 binären Governance-Fähigkeiten für KI-Daten. Er liegt in Europa im Mittel bei 33 und damit deutlich hinter Nordamerika (39) und dem Nahen Osten (34). Das globale Umfragemittel liegt bei 35. Kombiniert zeigen beide Werte, ob die Kontrollen sowohl im Zusammenwirken mit Menschen als auch mit Agenten greifen. Daraus ergibt sich ein mittlerer Compliance-Readiness-Index (DSCRI) von 15, gleichauf mit dem Nahen Osten als niedrigster Wert aller Regionen und deutlich unter dem Nordamerikas (19). Das globale Mittel liegt bei 16,2. Die europäischen Unternehmen zeichnen damit ein klar erkennbares Profil: eine Sicherheitsinfrastruktur, die den Rest der Welt übertrifft, gepaart mit einer KI-Governance, die hinterherhinkt.
„Europa verfügt über eine Sicherheitsinfrastruktur, die anderen Regionen fehlt, und führt dennoch nicht bei der Compliance Readiness“, sagte Marc ten Eikelder, Senior Director Marketing EMEA und Senior Director of Industry Research bei Kiteworks. „Der Weg in die Zukunft kann hier nur über die Architektur beschritten werden. Es braucht eine Datenrichtlinien-Engine, die Kontrollen auf Datenebene durchsetzt und für jeden Menschen und jeden Agenten gleichermaßen greift, statt einer verhaltensbasierten Richtlinie, die umgangen werden kann. Europas Lücke klafft nicht bei der Sicherheit. Sie liegt bei der KI-Governance.“
Compliance mit hohen KI-spezifischen Anforderungen
Deutlicher als jede andere Region stufen Unternehmen in Europa KI-spezifische regulatorische Anforderungen als ihre größte Compliance-Herausforderung ein. 29 % nennen sie als Sorge Nummer eins, gegenüber 24 % in Nordamerika und 7 % im Nahen Osten. Weltweit hatten 63 % mit Konsequenzen im Bereich der Compliance zu kämpfen. Die Quote in Europa ist mit 57 % die niedrigste aller Regionen, verglichen mit 69 % in Nordamerika und 76 % im Nahen Osten. Ob diese niedrigere europäische Quote auf ausgereiftere Compliance-Programme, geringere Durchsetzungsmaßnahmen oder eine zu geringe Meldungsquote zurückzuführen ist, lässt sich anhand der Umfragedaten allein nicht klären. Aber regulatorische Sorge hat sich nicht in stärkere KI-Governance übersetzt.
Ein gleiches Muster zeigt sich bei den europäischen Befragten beim Erkennen von Schwachstellen. Europäische Unternehmen verzeichnen monatlich 11 % Schatten-KI-Nutzung, gegenüber 24 % in Nordamerika, und melden KI-Tool-Datenexpositionsvorfälle zu 20 %, gegenüber 36 % in Nordamerika. Diese niedrigeren Zahlen spiegeln kontrollierte Umgebungen wider, doch eine geringere Erkennungsrate kann auch längere unentdeckte Expositionen bedeuten.
Das Kontrolldefizit hinter diesen Zahlen ist global, nicht nur europäisch. 74 % der befragten Unternehmen weltweit verfügen über keine Zweckbindung für die KI-Datennutzung und mehr als 31 % fehlt ein Eindämmungsmechanismus. Die Audit-Pflichten von DORA, NIS2 und dem EU AI Act setzen inzwischen Fristen, die 50 % der Unternehmen nicht einhalten können.
„Europa ist zwar in Sachen Compliance aktiv, steht aber bei der Governance-Architektur hinten an“, ergänzte Marc ten Eikelder. „Die Region steht unter dem stärksten regulatorischen Druck und wandelt ihn dennoch nicht in KI-Governance-Fähigkeit um. DSGVO, DORA, NIS2 und der EU AI Act verlangen alle Nachweise von denselben Teams. Die Unternehmen, die die Lücke schließen, müssen eine einzige Richtlinien-Engine und ein einziges Audit-Log bauen, das Menschen und Agenten gleichermaßen erfasst und alle Rechtsvorschriften gleichzeitig bedient.“
Empfehlungen, um die Lücke zu schließen
Der Report identifiziert sieben Prioritäten, die Unternehmen zur Schließung der KI-Governance-Lücke setzen sollten:
- Klassifizierung und Durchsetzung von Vorschriften für sensible Daten
- Bereitstellung einer KI-spezifischen DLP-Lösung über eine zentralisierte Richtlinien-Engine
- Integration von MFT und KI-Infrastruktur in ein SIEM
- Implementierung und Test eines KI-Kill-Switches
- Aufbau von Auditpfaden, die den gesetzlichen Fristen für die Bereitstellung entsprechen
- Zuweisung einer dedizierten Verantwortung für KI-Daten-Governance
- Konsolidierung von Plattformen für den sicheren Datenaustausch
Über den Report
Die Erhebung wurde von Centiment im Auftrag von Kiteworks im zweiten Quartal 2026 durchgeführt. Sie basiert auf einer Befragung von 459 Führungskräften aus den Bereichen Cybersicherheit, IT, Risikomanagement und Compliance in Unternehmen mit 1.000 oder mehr Mitarbeitern, verteilt auf zehn Branchen und drei Hauptregionen. In Europa wurden 258 Fachleute befragt.
Der vollständige 2026 Data Security and Compliance Risk: Annual Survey Report enthält globale, branchen-, regional- und unternehmensgrößenspezifische Analysen.
Er kann hier kostenfrei heruntergeladen werden: 2026 Data Security and Compliance Risk: Annual Survey Report.
Die europäische Executive Summary kann hier heruntergeladen werden.