IP-Mittelstand

Business-News

Niedriger CO₂-Preis und hohe Preisschwankungen bremsen klimafreundliche Investitionen

„Für viele Unternehmen machen planbare CO₂-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet“, sagt ifo-Forscher Mathias Dolls. „Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Bei zu starken Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.“

Deutsche Industrieunternehmen würden mehr in klimafreundliche Technologien investieren, wenn der CO₂-Preis höher und zugleich verlässlich wäre. Dies zeigt eine aktuelle ifo-Umfrage. „Für viele Unternehmen machen planbare CO₂-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet“, sagt ifo-Forscher Mathias Dolls. „Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Bei zu starken Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.“ 

Bei einem niedrigen CO₂-Preis von etwa 50 Euro pro Tonne lehnen die befragten Unternehmen das Klimaschutzprojekt im Durchschnitt ab. Steigt der erwartete CO₂-Preis auf 175 Euro, fällt die Entscheidung klar zugunsten der klimafreundlichen Investition aus. „Aktuell liegen die Preise des europäischen Emissionshandels von etwa 70 bis 90 Euro nahe an der Schwelle, an der ein durchschnittliches Industrieunternehmen in Deutschland beginnt, klimafreundlich zu investieren, aber ein großer Teil dürfte noch zögern“, sagt ifo-Forscher Gerome Wolf. 

Neben der Höhe des CO₂-Preises spielen Preisschwankungen eine zentrale Rolle für die Investitionsentscheidungen der Unternehmen. „Der CO₂-Preis entfaltet seine volle Wirkung nur, wenn es keine starken Preisschwankungen gibt. Sobald Unternehmen mit einer hohen Schwankungsbreite rechnen, warten sie ab und investieren selbst dann nicht, wenn der Durchschnittspreis hoch ist“, sagt Matti Liski, Professor an der Aalto Universität. Nimmt die Schwankungsbreite um einen Prozentpunkt zu, muss der CO₂-Preis um rund 1,40 Euro steigen, um die Investitionswahrscheinlichkeit konstant zu halten. Verlässliche politische Rahmenbedingungen seien daher für Investitionsentscheidungen ausschlaggebend. Unternehmen, die den politischen Kurs beim Klimaschutz für verlässlich halten, zeigen im Schnitt eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft in klimafreundliche Projekte als Firmen mit geringem Vertrauen. 

Die Untersuchungen beruhen auf einer Sonderbefragung im Rahmen der ifo Konjunkturumfrage vom Februar 2026 unter 830 Industrieunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten. Jedes Unternehmen erhielt fünf hypothetische Investitionsszenarien zu einem Klimaschutzprojekt, das den CO₂-Ausstoß senkt und Energie einspart. Die Szenarien unterschieden sich mit Blick auf die Höhe des CO₂-Preises (zwischen 50 und 200 Euro pro Tonne) und in der Spanne, in der dieser Preis schwanken könnte (zwischen plus/minus 0 und 100 Prozent).